D E N A R A

L i c h t b l i t z e

Monat: November 2015

La douce France …

… lieblich-süßes Frankreich –

das werde ich nun nie wieder sagen können. Nicht nach den letzten Anschlägen in der Stadt der Liebe, aber auch nicht nach der Reaktion der französischen Regierung. 2 Tage nach dem Terror in Paris schlägt der Westen, schlägt Frankreich mit Terror zurück. Quelle horreur!

Eiffelturm IMG_1683

IMG_1686 IMG_2310

Frankreich will seine Stärke demonstrieren – und nun ist „Krieg“ angesagt im Namen der Gerechtigkeit und der Freiheit. Eine gerechte, eine freie  Welt, kann es sie jemals geben? Wir leben in der Dualität – es gibt schwarz und weiß, arm und reich – immer und überall.

yin_yang        Zwei Seiten der Medaille – von der Geburt bis zum Tod

Wir im Westen leben am gedeckten Tisch, streben immer weiter nach Wirtschaftswachstum, nach Macht und Geld. Der Reiche wird immer reicher und der Arme immer ärmer. Um im Wolkenkuckucksheim wohnen bleiben zu können, haben wir uns auf Kompromisse eingelassen. Wir rennen in unserem Hamsterrad und haben immer weniger Zeit und Energie, uns der Sinnhaftigkeit unseres Tun klar zu werden. Es ist auch so gewollt, dass wir funktionieren und keine Zeit haben,  tiefer das zu hinterfragen, was mit uns geschieht und was die Medien berichten. So hat sich die Welt immer mehr zu einem „Irrenhaus“ entwickelt.

IMG_1659

Ich nehme mich da nicht aus. Ich bin auch viele Jahre gerannt – oftmals auch gegen den Strom und gegen Windmühlen, doch mein Körper zeigte mir zum Glück die Grenzen. Wir wünschen uns Anerkennung und Geld, denn das brauchen wir, um unsere Träume zu verwirklichen. Ich frage mich allerdings immer öfter, ob ich wirklich so viele Hosen im Schrank brauche oder so viele Schuhe, ganz zu schweigen von den vielen Büchern, die ich mir ständig kaufe. Dann sage ich mir, dass die Boutique auch leben will und der Buchhändler. Und bin hin und her gerissen in dieser Dualität …

Was ich aber vor allem bin ist dankbar! Je mehr ich mich in den Fluss des Lebens begebe, um so klarer spüre ich, dass ich geführt werde. Ich bin gespannt, was das Leben für mich bereit hält und freue mich,  dass ich mir meine Träume erfüllen und jetzt wieder verreisen kann, wenn’s draußen nass, trüb und kalt wird.

100_1355

HUNA und das hawaiianische Vergebungsritual „Ho’oponopono“ – das wird mich im nächsten Monat begleiten. Meine Koffer sind gepackt, ein neues Abenteuer wartet auf mich. Abtauchen in das Land der unbegrenzen Möglichkeiten – und dann auch noch im wahrsten Sinne:  unter Wasser neue Kräfte tanken mit Delfinen, Meerschildkröten und Walen.  Aloha.

Delfine_Meer

„Nur wer seine Träume lebt, kann seine Sehnsucht stillen.“

Montags werde ich hier berichten  und euch teilhaben lassen an meinen Gefühlen und Erlebnissen …

Reich beschenkt …

… fühle ich mich nach einer Woche in Frankreich mit dem Deutsch-Französischen Freundeskreis Rheinstetten – Navarrenx.

IMG_3813

Immer wieder kann ich nur staunen über die Synchronizitäten des Lebens. Da verbringe ich im Juni ein Wochenende mit dem Kinderhospizdienst, sitze am Tisch mit Micheline und erfahre, dass sie die Vorsitzende des Freundeskreises Rheinstetten-Navarrenx ist. Und da der Deportiertenfriedhof Gurs (Gurs ist ein Nachbardorf von Navarrenx) – neben Städtepartnerschaften – auch zu meinen Aufgaben in meinem früheren beruflichen Leben bei der Stadt Karlsruhe gehörte, hatten wir gleich ein Thema. Als sie nach kurzer Zeit sagte, dass noch ein Platz im Flieger frei ist zu den Feierlichkeiten anlässlich der 50jährigen Freundschaft, der 20jährigen Städtepartnerschaft und des 75. Jahrestages der Deportation badischer Juden nach Gurs,  da brauchte ich nicht lange zu überlegen und sagte zu.

Gurs ist ein kleines Dorf in den Pyräneen an der Grenze zu Spanien. Am 22. Oktober 1940 wurden über 6.000 badische Juden in einer Nacht- und Nebelaktion aus ihren Häusern abgeholt,  in den Zug gesetzt und in ein Internierungslager am Rande dieses kleinen Dörfchens in Frankreich gebracht. Wer über diesen traurigen und schrecklichen Teil unserer Geschichte mehr wissen will: https://www.lpb-bw.de/publikationen/helllichten/tag04.htm. 1963 hat der damalige Karlsruher Oberbürgermeister entschieden, dass man sich um den verwahrlosten Friedhof, auf dem ca. 1000 badische Juden begraben sind, kümmern müsse. Ein katholischer Pfarrer aus Mörsch machte sich erstmals im Jahr 1965 mit einer Gruppe Jugendlicher auf den Weg nach Gurs. Und aus eben dieser ersten Begegnung entstand bis heute eine Freundschaft wie man sie sich schöner kaum vorstellen kann. Ich, die ich nur Micheline kannte, habe soviel Wärme und Offenheit sowohl von den Rheinstettenern wie auch den Franzosen erlebt, ein gut organisiertes Programm – immer, die ganze Woche, war ein freundlicher und herzlicher Umgang miteinander – dass ich ganz erfüllt bin und mit Fug und Recht sagen kann, dass es die „heile Welt“ tatsächlich noch gibt. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen in dörflicher Gemeinschaft leben, in der ein Mensch noch als Mensch wahrgenommen wird, aber vielleicht liegt es auch an der langen Versöhnungsarbeit mit der fremden Kultur, den Schrecken der Vergangenheit (in Gurs) immer vor Augen.

Mit knapp 40 Personen reisten wir an und erlebten eine wunderbare Zeit miteinander. Untergebracht in Familien konnten wir so richtig eintauchen in die französische Kultur und Sprache.

IMG_3797 IMG_3807 IMG_3938 IMG_3942

Es wurden bei den verschiedensten Empfängen und Essen nicht nur Reden geschwungen sondern auch lecker gegessen und viel gesungen.

IMG_4049 IMG_4047

IMG_3932

Interessantes lernte ich über das Baskenland kennen und war an verschiedenen Stationen und in einigen Kirchen, die auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella führen; es gab sogar zwei Busfahrten, nach Bayonne und nach Spanien: Jaca

Bayonne1 IMG_3946

Die Weinkooperation „Jurancon“ war mehr als beeindruckend – mitten im Dorf riesengroße unterirdischen Keller! 6000 Flaschen Jurancon doux und sec lagern in einem geschmackvoll präsentierten „Cave“ ….. Und lecker ist der Wein auch, wie wir bei einer Weinprobe feststellen konnten.

IMG_3818 IMG_3817

Ein neues Lieblingsstädtchen in Frankreich gibt es für mich jetzt noch mitten im Baskenland: „Espelette“, fand ich doch dort sogar meinen Lieblingsparfumeur, den ich bei unserer letzten Reise nach Paris auch „ganz zufällig“ am Place de Vosges entdeckt hatte. Nicht nur die Düfte der Parfums sind betörend, auch die Einrichtung, das Flair und die Frauen, die in dieser stilvollen Umgebung arbeiten dürfen. Dann die weiß getünchten Häuschen mit dem typischen „rouge basque“, reicher Blumenschmuck und überall hängt das für die Stadt berühmte Piment – es war bei strahlendem Sonnenschein eine wahre Augenweide. Ja, kaum zu glauben, aber mitten im November schien die Sonne und wir erlebten Temperaturen wie im Sommer! Kein Wunder also, dass wir uns vom Himmel und von unseren Gastgebern mehr als reich beschenkt fühlten.

IMG_3877 IMG_3876 IMG_3889 IMG_3882 (1)

Am Donnerstag traf noch eine offizielle Delegation ein mit 12 Gemeinderäten, dem jungen Oberbürgermeister und dem Rheinstettener Jugendchor. Die „popChor“ner brachten Stimmung in die klerikale Umgebung, sorgten aber auch mit ihrem Abschlusslied „Halleluja“ gemeinsam mit dem Chor aus Navarrenx für ein prickelndes Gänsehaut-Feeling.

IMG_3920

Die Gedenkveranstaltung auf dem Deportiertenfriedhof war schlicht mit dem neuen Bürgermeister – und zum Glück konnten wir noch die Besichtigung des Lagers organisieren,  denn das war im Programm nicht vorgesehen.

IMG_3983 IMG_3992 IMG_3995 IMG_4009

Ein Gingkobaum wurde als Zeichen der Freundschaft gepflanzt, der hoffentlich die Hitze des nächsten Sommers übersteht  …

IMG_3999

und in Navarrenx wurde eine beeindruckende Ausstellung gezeigt.

IMG_4073 IMG_4028

www.askatasunArte.com 

Viermal – das letzte Mal vor 8 Jahren – habe ich, gemeinsam mit einer Kollegin, die alljährlich stattfindende „Commemoration“ mit organisiert. Dieses Mal konnte ich alles nur auf mich wirken lassen, konnte die Früchte der Arbeit genießen, eine lebendige Städtepartnerschaft erleben und tief in mir eine große Dankbarkeit für mein Leben spüren. Großes Mitgefühl und Trauer spüre ich aber auch bei der Vorstellung, dass Menschen nur mit einem Koffer in der Hand ihr Hab und Gut verlassen mussten und dann in der Fremde interniert wurden …. Ähnliches erleben Flüchtlinge heute. Mögen wir niemals unsere Geschichte vergessen und dem Nächsten, dem Fremden, jedem Menschen immer mit Menschlichkeit und Barmherzigkeit begegnen und die Hilfe anbieten, die wir uns bei all unserem Wohlstand leisten können. Bisou et à bientôt,  eure Denara

© 2017 D E N A R A

Theme von Anders NorénHoch ↑