D E N A R A

L i c h t b l i t z e

Monat: April 2016

Wenn Du nichts Nettes zu sagen hast, dann sage lieber nichts!

Angeregt durch dieses Buch

Einwandfrei_Buch

bin ich die nächsten Monate mit einem neuen, interessanten  Projekt „A Complaint Free World“ beschäftigt. Das Buch habe ich gelesen, das lila Armband trage ich zur Erinnerung und nun bin ich gespannt, wie lange ich brauche, um 21 Tage „durchzuhalten“.

Das Buch verspricht ein glückliches Leben. Wer will das nicht? Der Autor ist überzeugt, dass jeder Mensch glücklich leben kann, wenn er aufhört zu jammern, zu klagen und – das finde ich ganz besonders schwierig (auch zu akzeptieren) – zu bewerten.

Schon seit einigen Jahren bin ich von dem Resonanzprinzip überzeugt, das uns allen mit dem Sprichwort: „Wie man in den Wald hinein schreit, so kommt es heraus!“ schon seit frühester Kindheit vertraut ist. Seit ich ganz bewusst danach lebe, hat sich mein Leben sehr verändert. Jeden Morgen wache ich auf voller Dankbarkeit und ich freue mich auf den Tag. Alles, was in  meinem Leben geschehen ist, war gut für mich. Alles, was geschieht, ist wichtig für mich. Jeder Mensch, dem ich begegne, ist mein Lehrer oder meine Lehrerin. Manchmal jedoch spielen mir meine Gedanken noch Streiche – da merke ich, ich brauche Auszeiten der Stille, um mich wieder „einzunorden“. Ich muss mir dann wieder klar werden, dass ich nur mich und meine kleine Welt verändern kann, sonst nichts und niemanden.

 Im Grunde geht es in dem Buch um nichts anderes. Will Bowen bringt Beispiele aus seinem Leben oder aus den vielen Zuschriften der inzwischen über 6 Millionen Menschen aus 80 Ländern, die sich diesem „Experiment“ gestellt haben.

Um sich immer daran zu erinnern, wurde dem Buch ein lila Armband beigefügt.

Lila_Band

Jedes Mal, wenn ich jammere, mich beklage (zum Beispiel bei meinem Partner, weil er sich nicht so verhält wie ich es mir vorstelle oder bei Freunden, die über ihr schweres Leben jammern) oder andere Menschen bewerte oder verurteile (egal wen,  z. B. meinen ehemaligen Chef oder AfD-Wähler!), dann wechsle ich das Bändchen auf die andere Hand. Wer das 21 Tage an einem Handgelenk – also ohne auch nur einmal zu wechseln – geschafft hat, soll sich und seine Gedankenwelt „umprogrammiert“ haben.

Es ist ein Wegschauen vom „sogenannten“ Schlechten oder Leid verursachendem, das in unseren Gedanken existiert oder das sich im Körper manifestiert hat. Ein Hinschauen zum halbvollen, nicht halbleeren Glas. Wir sollen nicht in eine Starre verfallen, aber vielleicht mehr in die Stille kommen und erst überlegen, bevor wir sprechen. Lange schon ist mir klar, dass ich nie auf die Straße gehen würde, um gegen Etwas zu demonstrieren. Der Mind versteht kein NEIN und kein GEGEN. So geben wir dem Energie, was wir nicht wollen: Atomkraft, Pegida… Dennoch merke ich, dass andere Menschen andere Vorstellungen haben – und dann komme ich ins Bewerten. Meine, ich wüsste, wie es besser oder gar richtig ist. Aber im Grunde weiß ich nur, was für mich besser ist. Ich habe das Gefühl, dass dieses Experiment für mich gut ist. Vielleicht für Dich auch?

Ein kleiner Auszug aus dem Buch:

“ ‚Aber alle großen Dinge in unserem Land begannen damit, dass sich Leute beschwert haben …, denken Sie nur mal an Martin Luther King und all die anderen großen Männer und Frauen, die die Welt verändert haben!‘ …

Der erste Schritt in Richtung Fortschritt ist Unzufriedenheit. Aber wenn wir in dieser Unzufriedenheit verharren, gelangen wir nie zu freundlichen Aussichten. Wir müssen unsere Konzentration auf das gerichtet halten, was sich unserem Wunsch gemäß ereignen soll, keinesfalls auf das, was nicht passieren soll. Bedeutende Männer und Frauen ließen sich von ihrer Unzufriedenheit zu großen Visionen anstacheln. Und die Leidenschaft, mit der sie sich für diese Visionen einsetzten, inspirierte andere dazu, ihnen zu folgen. Ihre unermüdliche Konzentration auf eine strahlende Zukunft ließ den kollektiven Herzschlag schneller schlagen.

Als Martin Luther King am 28. August 1963 auf den Stufen des Lincoln Memorial stand, sagte er nicht: „Es ist schrecklich, wie man uns behandelt!“ Nein. Er sprach die Worte, die eine Saite in der Seele der Menschen zum Klingen brachten. Er konzentrierte sich nicht auf das Problem, sondern lenkte das Augenmerk auf die Situation jenseits des Problems. Er verkündete: „Ich habe einen Traum!“ Rosa Parks setzte sich im Bus nicht auf die Rückbank und meckerte lauthals über die Ungerechtigkeit, dort als Schwarze sitzen zu müssen. Sie setzte sich auf den Platz, wo sie wie alle anderen, gleich, welcher Hautfarbe, hingehörte. Sie sah nicht nur das Problem, sie lebte in seiner Lösung.

Auch ich lebe eine Vision. Was wäre, wenn die führenden Personen zu echten „Friedensgesprächen“ zusammen kämen? Statt darüber zu reden, was sich in der Gegenwart abspielt (Anmerkung: „Satire oder Schmähgedicht“) oder in der Vergangenheit ereignet hat, würde man sich ausschließlich auf die Vision konzentrieren. ….

Der erste Schritt zu einem solchen Wechsel findet in unserem eigenen Bewusstsein statt… Sie sind der Wandel geworden, den Sie in der Welt zu sehen wünschen.“

Ich mach‘ mich mal auf diesen Weg – mal sehen, wie  es mir ergeht. Ich werde berichten. Einen wunderschönen Frühling wünsche ich euch, mit Sonne im Herzen, eure Denara

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Blick von unserem Zuhause auf den herrlichen sonnigen Abendhimmel gestern!

Tristan und Isolde – ein Opernbesuch

Der Frühling lässt noch etwas auf sich warten. Um mich wieder heimisch zu fühlen, freue ich mich über die vielen wunderbaren kulturellen Angebote, die es hier in unserer Stadt gibt. Als Theaterfreundin des Badischen Staatstheaters Karlsruhe wollte ich am Sonntag nachmittag eintauchen in die Welt Richard Wagners.  Eine Freundin war begeistert, die Kritiken überschlugen sich und so ließ ich mich auf dieses fünfstündige „Wagnis“ ein.

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Zur Vorbereitung lieh ich mir den „kleinen Wagnerianer“ und, wie ich mir schon dachte, sei das „Wagner’sche“ Musikdrama als Herausforderung zu sehen. Ich erfuhr, dass das Werk einen Wendepunkt der abendländischen Musikgeschichte setzte –  Musikkenner wissen um den berühmt gewordenen „Tristan-Akkord“. Die Handlung ist fast ohne Handlung – es geht um eine Dreiecksgeschichte, die übrigens der damaligen Lebenssituation des Herrn Wagner ziemlich genau entsprach. Er war verliebt in die Gattin seines Mäzens und als die Oper fünf Jahre später zur Aufführung kam, steckte er in der nächsten fatalen Affäre mit der Ehefrau des Dirigenten der Uraufführung, Cosima von Bülow.

Ich liebe die Atmosphäre im Theater, war jedoch anfangs irritiert, als ein älterer Herr vor mir in der 1. Reihe sein Jacket auszog und dann in den Hosenträgern direkt vor mir saß. Seine Jacke lag  5 Stunden lang über der Brüstung zum Theatergraben. Links neben mir saß ein Mann mit langem weißen Rauschebart und schrie bei jeder sich bietenden Gelegenheit laut „Bravo, bravo“, dass mir die Ohren dröhnten. Rechts saß ein junges Mädchen, das wohl zum ersten Mal mit ihrem Freund, bestimmt ein Musikstudent, in der Oper war. Er hielt ihre Hände, wahrscheinlich um sie zu beruhigen. Immer wieder flüsterte sie ihm ins Ohr, kicherte dann und die letzte halbe Stunde zappelte sie nur noch und schaute jede Minute auf die Uhr.

Die Musik von Wagner ist unglaublich, und die Leistungen der Musiker/innen und Sänger/innen  phänomenal.  Der erste Akt war ein Hochgenuss: das Bühnenbild, die einfühlsame, dramatische Musik und die großartige Stimmleistung der Akteure. Vielleicht war ich angesteckt durch die junge Dame neben mir, die, wie ich, die Liebesdramatik dieses Paares nicht so ganz nachvollziehen konnte.

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Bilder von der Seite des Badischen Staatstheaters Karlsruhe

So fühlte ich in mir auch eine innere Belustigung, die sich im zweiten Akt noch steigerte, als Tristan und Isolde im Schlafanzug auftraten und die Dramatik mehr und mehr zunahm.

Im dritten Akt eskalierte die Leidenschaft derart, dass ich an meine Schmerzgrenze kam. Tristan war verletzt und fern von Isolde (er war selbst dafür verantwortlich), getröstet vom Freund und jammert und jammert zum Herzerweichen. Am Schluss nimmt er sich das Leben, weil er diese Liebessehnsucht nicht aushält.

Laut dem kleinen Wagnerianer ist diese Oper „eigentlich gar keine Liebesgeschichte, sondern eine endlose Reflexion über die Wechselbeziehung von Liebe und Tod (zur Erklärung: Obwohl dauernd vom Einswerden und Verschmelzen die Rede ist, wird immer wieder der gemeinsame Liebestod beschworen), eine Reise ins Unbewusste und ein stundenlanges Umkreisen von ekstatischen Auflösungsphantasien.“

Das Publikum tobte – der Rauschebart neben mir überschlug sich mit Bravo-Rufen und als er aufstand, um mit Standing Ovations seinem Rauschzustand Ausdruck zu verleihen, schlüpfte ich hinaus.                   Geschafft!

Im Auto schaltete ich das Radio auf volle Lautstärke. Ist es nicht herrlich, welch‘ große Vielfalt wir Menschen heute in der Musik haben. Ich bin mal wieder sehr dankbar! Und ich freue mich auf mein nächstes Theatererlebnis. Alles Liebe, eure Denara

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