Florida besitzt keine Berge und Täler, keine Klippen oder hohe Wellen, aber es gibt überall Wasser: Süßwasser, Salzwasser, Regenwasser, Sumpfwasser. Viele Strände habe ich nicht gefunden – obwohl es doch die schönsten in Florida geben soll – einen wirklich traumhaften erlebte ich zum Sunset in Naples, auch der Lido Beach in Sarasota mit seinem weißen Sand lässt wenige Wünsche offen, doch dort entzückte mich viel mehr das Flair der Stadt mit dem St. Armand Circle, den hübschen Geschäften, den adretten Cafés und den vielen wunderschönen weißen Skulpturen. Mit Crystal River und Homosassa bin ich nun in Old Florida gelandet. Alles ist hier old fashioned oder retro – dementsprechend funktioniert auch das WLAN im Hotel fast nie und das Telefon sieht aus wie eines der ersten, die es jemals gab.

Die Menschen sind in Amerika so unterschiedlich wie nirgendwo auf der Welt – kein Wunder, sie sind ja im Grunde fast alle Immigranten, die von überall her kommen. Die Wahlen hier beherrschen das Fernsehen, Plakate auf den Straßen oder an den Häusern werben für den Trump Pence, was auch immer dieser Pfennig bedeuten mag. Witzig finde ich das Posting von Butzko: Es zeigt einen Indigenen, der Trump darauf hinweist, dass er auch ein Immigrant ist und wann er denn endlich das Land verlässt – zumal er es doch selbst so fordert. Wenn ich manchmal von meinem Weg abbiege und in sogenannten Communities lande, Menschen treffe, die am Gürtel einen Revolver tragen, oder mich als Alleinreisende seltsam beäugen, dann wird es mir schon etwas mulmig. Ich kann mich gut in die Romane von Steven King hinein versetzen, denn es ist spürbar, wie es gärt und wieviele Ängste hier herrschen. Die Kinder in den Schulen werden so überbehütet und fern gehalten von Fremden, dass Ängste nicht ausbleiben können.

Dennoch hatte ich schon viele Gespräche mit wunderbaren Menschen – übernachtet habe ich bei einer Großkusine von Franz Kafka, gegessen bei Boe, einem Künstler, der neben seiner Kunst ein Museum und ein Café betreibt mit der leckersten Suppe, die ich je in Amerika gegessen habe. Wolfgang, einem Mann, der schon seit 40 Jahren hier lebt, verheiratet mit einer Amerikanerin – bei ihm hatte ich das Gefühl, dass sein Deutsch immer noch besser ist als sein Englisch. Die Begegnungen mit den Tieren sind ganz besonders intensiv – ja, ich bin mit Manatees geschwommen und habe sie in dem zauberhaften Homossa Springs Wildlife State Park auch hautnah erlebt.  Eindrucksvolle, friedvolle Tiere, die schon 45 Millionen Jahre in diesen Gewässern zu Hause sind, bis zu 4m lang werden und über 100 kg wiegen können. Florida hat übrigens die längste aufgezeichnete Geschichte der US-Staaten. Spanische Eroberer hörten schon im 15. Jahrhundert von goldenen Städten und Meerjungfrauen – fanden aber keinerlei Edelmetalle. Und was ihnen begegnete – anstelle der Meerjungfrauen – das waren Manatees. Es gibt auch viele Vögel und Fische, Schlangen und Alligatoren – und alte Bäume überwuchert von diesem besonderen Silbermoos, das ich zum ersten Mal in Indien gesehen habe … Alles wirkt dadurch mystisch und magisch. Mein Freund Hannes wäre begeistert von den Wolkenformationen – vor allem, weil sie sich so idyllisch schön im Wasser spiegeln. Die Menschen, die im Homossa Park arbeiten, sind allesamt so verbunden mit den Tieren – sie sind auch mit den Besuchern in engem Kontakt und bemühen sich mit großem Engagement, in den Menschen die Liebe zu den Tieren zu wecken. Mich nahm Vicky unter ihre Fittiche und ihre Zuneigung zu den beiden Schwarzbären und zu Lou, dem Nilpferd, rührte mich fast zu Tränen.

Ohne Bilder kann man nur schwer die Intensität beschreiben, die ich hier erlebe. Und Bilder in schlechter Qualität zu posten, das geht irgendwie gar nicht. Um für mich alles zu erhalten, habe ich mich aufs Tagebuch schreiben in Englisch verlegt, zumal es mir so gut gefällt, ganz in die englische Sprache einzutauchen. Deshalb werde ich nur einmal monatlich hier posten – das nächste Mal zum Advent. Auf fb bin ich auch nach Lust und Laune aktiv, dort klappt das mit den Bildern besser – das ist meine Verbindung mit der Welt und Emails oder WhatsApps beantworte ich gerne, wenn ich WLAN habe.

Entschieden habe ich mich auch, ein Buch zu schreiben, obwohl es doch schon so viele Bücher gibt und jeder anscheinend ein Buch schreibt oder schreiben möchte. Dennoch ist eine Klarheit in mir, die nach einem Ausdruck sucht. Auf der Paliuli-Farm auf Big Island habe ich dazu sicher viel Zeit und Muse dafür. Ich bin gespannt, ob doch noch mehr von mir in die Welt kommen will. Was geschehen soll, geschieht.

Ich wünsche euch noch einen farbenfrohen Herbst, lichtvolle Gedanken in der Dunkelheit – und liebe Menschen um euch, with a big hug und ALOHA, eure Denara